Warning: Use of undefined constant ITSL_VERSION - assumed 'ITSL_VERSION' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /homepages/44/d540622667/htdocs/app540623218/wp-content/plugins/it-spiders-instagram-widget/wp-instagram-widget.php on line 29
Wo gibt's hier Sukumawiki? -

Wo gibt’s hier Sukumawiki?

_MG_0154

Bei der Suche nach dem kenianischen Nationalgericht hat mir die Wissenschaft geholfen. Bei der Suche nach der Zutat Sukumawiki, einem kenianischen Kohl, konnte mir keiner helfen. Und es war eine Odyssee. Aber von Anfang an.

Sebastian Schellhaas ist wie Prof. Trenk kulinarischer Ethnologe. Für Feldstudien war er längere Zeit in Kenia und hat dort bei den Luo gelebt. Seine Erfahrungen hat er im Buch „Die Welt im Löffel“ festgehalten und mit mir geteilt (das ganze Interview lest ihr hier). Der Ethnologe sagt, ein Essen ohne Ugali ist in Kenia kein Essen. Deswegen sei Ugali so was wie das Nationalgericht des Landes.

„Without Kuon it is no food“

Ugali ist ein Brei aus Wasser und Maismehl. Die Luo, die Bevölkerungsgruppe, die Sebastian Schellhaas erforscht hat, nennen den Brei „Kuon“, es handelt sich dabei aber um das gleiche Gericht. In ganz Kenia wird Ugali zweimal täglich gegessen, mittags und abends. Mit Ugali hat man Kraft zum Arbeiten und nur mit Ugali kann man schlafen ohne nachts hungrig aufzuwachen.

Die außerordentliche Rolle und obligatorische Präsenz von kuon wird auch im alltäglichen Sprachgebrauch deutlich. Auf die Frage, was jemand gegessen habe, bekommt man zum Beispiel die Antwort: „Ich habe Blattgemüse gegessen.“ Das heißt, es wird nur die jeweilige Beilage erwähnt, während man Kuon voraussetzt.“

Ugali kann man aber nicht alleine essen, er braucht immer eine Beilage, ein so genanntes „dek“. Das kann zum Beispiel Hühnchenfleisch in Sauce sein oder eine andere Art von Gulasch. Was es laut Sebastian Schellhaas aber immer dazu gibt, ist Sukumawiki – kenianischer Kohl. Und hier beginnt meine Irrfahrt auf der Reise nach Kenia.

Auf der Suche nach dem echten Kenia

Credit: Vivian Balzerkiewitz

Maismehl gibt es im normalen Supermarkt. Aber wo soll ich kenianischen Kohl herbekommen? Eine systematische Recherche ist gefragt. Laut Afrika-in-Bayern.de gibt es genau 31 Afro-Shops in München. Und ich habe sie alle angerufen. Alle. Aber nur in einem einzigen Geschäft in der ganzen Stadt wusste man überhaupt was Sukumawiki ist. Das hat mich schon überrascht, aber klar: hätte ich einen Europa-Shop in Nairobi,  hätte ich sicher auch meine Probleme mit Spezialzutaten aus Malta oder Rumänien. Ich habe also diesen einen Laden in München gefunden, in dem ich Sukumawiki kaufen kann. Leider ist der Kohl aber zunächst ausverkauft und ich werde um eine Woche vertröstet. Als ich dann schließlich eine Woche später tropfnass vom Regen im Central Afro Shop ankomme, lerne ich den Besitzer David kennen.

Credit: Vivian BalzerkiewitzEs ist kein Zufall, dass David sofort wusste, was Sukumawiki ist. David kommt nämlich aus Kenia. Und er freut sich sehr, dass ich das kenianische Gericht kochen will.

Aber der Sukumawiki sei immer noch nicht angekommen. Ich soll am Abend wieder kommen. Das tue ich, doch auch am Abend gibt es wieder kein Sukumawiki. Allerdings erst mal auch keinen David. Stattdessen sitzen zehn Kenianer in dem kleinen Laden – rechts wird Bier getrunken, links wiegt eine Frau ein Baby im Arm. Bis zu dem Moment, in dem ich die Tür aufgemacht habe, schien die Stimmung gut zu sein. Seit ich aber im Raum stehe, ist es extrem still geworden – man könnte Sukumawiki wachsen hören. Das ändert sich erst, als die Tür hinter mir aufgeht und David rein kommt. Er entschuldigt sich direkt bei mir, weil er immer noch kein Sukumawiki besorgen konnte. Zwei Tage später, nach insgesamt drei Besuchen und vier Telefonaten, ist es dann aber endlich so weit. Ich bin die stolze Besitzerin von zwei Packungen getrocknetem Sukumawiki.

Die Zubereitung ist unkompliziert

Credit: Vivian Balzerkiewitz

Nachdem ich endlich Sukumawiki habe, geht’s los. Die Zubereitung geht schnell. Den getrockneten Sukumawiki mit kochendem Wasser übergießen und einweichen. Zwiebeln und Tomaten würfeln, in Öl anbraten. Kohl dazu und köcheln lassen. Das Maismehl in kochendes Wasser einrühren, schnell und kräftig, damit es keine Klumpen gibt. Schwierigkeitsstufe: superultramegaeasypeasy! Kriegt jeder hin. Dauert 15 Minuten. Und ist sogar vegan.

Und wie schmeckt Kenia?

Sebastian Schellhaas hatte mich gewarnt. Er sagte mir, dass die kenianische Küche für unsere europäischen Gaumen ziemlich fad schmecke. Und er hatte recht. Etwas Salz im Ugali hätte dem Gericht sicher gut getan. Das wäre aber nicht authentisch. Der Sukumawiki schmeckt aber gut, schön süß durch die Zwiebeln und die Tomaten. Der Kohlgeschmack erinnert ein bisschen an Heu oder Silage. Das gefiel in unserer Essensrunde nicht jedem. Aber alle fanden es toll, das Gericht mit den Fingern zu essen. Auch wenn einige dabei nicht ganz so talentiert waren.

Credit: Vivian Balzerkiewitz


Hier findet ihr eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Rezept für Ugali mit Sukumawiki und natürlich die Zutatenliste.