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"Vegetarier haben es schwer" -

„Vegetarier haben es schwer“

Der kulinarische Ethnologe Marin Trenk in ThailandDass mein Projekt nicht einfach werden würde, hatte ich befürchtet. Prof. Dr. Marin Trenk gibt mir recht. Er ist kulinarischer Ethnologe von der Goethe Universität in Frankfurt und hat mir erklärt, wo das Problem genau liegt.

Was macht eigentlich ein kulinarischer Ethnologe?

Ein kulinarischer Ethnologe untersucht verschiedene Esskulturen und schaut, wie sie sich entwickelt haben. Dabei muss man auf jeden Fall Lust haben auch mal außergewöhnlichere Dinge zu probieren und grundsätzlch auch Fleischesser sein. Vegetarier haben es da schwer. Denn wie soll man eine Esskultur ergründen, wenn man kein Fleisch ist?

Für mein Projekt bin ich auf der Suche nach 193 Nationalgerichten. Gibt es überhaupt in jedem Land ein Nationalgericht?

Das ist schwer zu sagen. Sie brauchen sich ja nur mal umschauen: Frankreich ist zum Beispiel ein Nationalstaat mit einer zentralistischen Tradition seit Jahrhunderten. Dort gibt es ohne Frage eine Nationalküche, nämlich die französische Hochküche, die Haute Cuisine. Aber hat Italien eine Nationalküche? Italiener würden sich unheimlich schwer tun, wenn sie versuchen würden, Italien über ein Gericht zu charakterisieren. Und das Problem werden sie in weiten Teilen der Welt haben. Die meisten Nationalstaaten sind einfach noch zu neu, um ein Nationalgericht zu haben.

Es gibt aber doch Gerichte, die für Länder als typisch gelten.

Reisende sagen das häufig. Wenn jemand aus Kambodscha zurück kommt, dann sagt er immer Amok sei das typische Gericht dort. In der Ethnologie spricht man da von ikonischen Gerichten, so genannten iconic dishes.

Hat denn jedes Land wenigstens ein solches ikonisches Gericht?

Ikonische Gerichte dürfte es im Gegensatz zu Nationalgerichten überall geben.

Was wäre denn ein Beispiel für so ein ikonisches Gericht?

Der Papayasalat Som Tam Thai, der wäre für Thailand ein iconic dish. Aber auch Pad Thai, die gebratenen Nudeln mit Chili, Erdnüssen, Tofu und Limette. Wobei das schon ein Nationalgericht sein könnte. Und dann vielleicht noch Tom Yam, die Suppe. Mir ist in den letzten Jahren meiner Feldforschung aufgefallen, dass immer wenn ich mit Thai ausgegangen bin, Tom Yam eines der Gerichte war, das bestellt wurde. Und das gibt es auch in jedem Restaurant.

Wie sieht es mit ikonischen Gerichten in Europa aus?

Da wären zum Beispiel Weißwürste, fraglos ikonisch in München. Oder Soljanka in Ostdeutschland, Salade Nicoise in Südfrankreich. Sie sehen, hier ist im Gegensatz zu den Nationalgerichten auch Raum für Lokales und Regionales.

Ok, Erkenntnis Nummer 1: Wissenschaftlich betrachtet mache ich mich auf diesem Blog also eher auf die Suche nach einem ikonischen Gericht für jedes Land und nicht nach dem Nationalgericht. Und Erkenntnis Nummer 2: Fleisch wird wahrscheinlich eine größere Rolle spielen als mir lieb ist. Was Prof. Dr. Marin Trenk mir außerdem noch über die Geschichte des thailändischen Papayasalates erzählt hat, könnt ihr hier lesen.